Die vier Kerzen

(Volksgut) 

                                                                                    

Vier Kerzen brannten am Adventskranz.
Es war ganz still, so still, dass man die Kerzen reden hörte.

Die erste Kerze seufzte:
Ich heiße Frieden, ich möchte für die Menschen leuchten. Aber mein Licht hat keine Kraft mehr. Die Menschen halten keinen Frieden, es scheint so, als wollten sie mich nicht. Das Licht wurde immer kleiner und erlosch.

Die zweite Kerze flackerte auf und sagte:
Ich heiße Glauben, ich möchte für die Menschen leuchten. Aber es ist, als ob ich überflüssig geworden wäre. Die Menschen fragen nicht mehr nach mir, es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne. Ein Luftzug wehte durch den Raum und die zweite Kerze erlosch.

Leise und traurig meldete sich die dritte Kerze zu Wort:
Ich heiße Liebe, ich möchte für die Menschen leuchten, aber auch meine Kraft schwindet dahin. Die Menschen stellen mich auf die Seite, sie sehen nur sich selbst, nicht die anderen. Für die Liebe haben sie immer weniger Zeit und Platz. So muss mein Licht ersticken. Mit einem letzten Aufflackern erlosch auch das dritte Licht.

Da kam ein Kind in den Raum. Es sah die Kerzen und erschrak. Aber warum brennt ihr denn nicht mehr? Ihr sollt doch leuchten! Das Kind wurde sehr traurig.

Da tanzte der Lichtschein der vierten Kerze und sprach: Hab keine Angst, und sei nicht traurig. Mein Licht brennt noch für die Menschen. Solange ich brenne, können wir auch die anderen drei Kerzen wieder anzünden, denn ich heiße Hoffnung. Da nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen wieder an.

Quelle: http://www.ute-prema.de/meditationen/Med20151202.htm