Die Symbolik von Weihnachten
in der Einweihungslehre

aus einer Rede von Omraam Mikhael Aivanhov

 

... was uns interessiert ist, dass an diesem Tag das Christus-Prinzip in der Natur geboren wird, das Licht und die Wärme, die alles verwandeln. Zur gleichen Zeit wird dieses Fest auch im Himmel gefeiert: die Engel singen und alle Heiligen, hohen Meister und Eingeweihten vereinen sich im Gebet, um den Ewigen zu ehren und die Geburt Christi zu feiern, die in Wirklichkeit im Universum stattfindet. 

Jesus wurde vor 2000 Jahren in Palästina geboren, dies ist der historische Aspekt von Weihnachten, der aber, wie ihr wohl wisst, für die Eingeweihten zweitrangig ist. Denn Christi Geburt ist eher ein kosmisches als ein historisches Ereignis: Überall in der Natur erwacht das Leben und neue Energien sprudeln hervor. Außerdem hat seine Geburt auch einen mystischen Sinn, denn in jeder Menschenseele soll Christus als Prinzip des Lichtes und der göttlichen Liebe geboren werden. 

Eine frühzeitige Vorbereitung auf das Weihnachtsfest ist äußerst wichtig, um seine tiefere Bedeutung voll zu erfassen. .... Die Weihnachtsgeschichte enthält zahlreiche symbolische Details. 

Zunächst: Wer waren Maria und Joseph?

Wenn sie als Jesu Eltern ausgewählt wurden, dann besaßen sie auch die Voraussetzungen dazu und waren würdig, den Erlöser der Menschheit in ihrer Familie zu empfangen. In früheren Existenzen hatten sie sicherlich eine bedeutende spirituelle Arbeit geleistet. Sie waren außergewöhnliche Menschen und für dieses Ereignis vorherbestimmt. Maria hatte sich schon sehr jung dem Herrn geweiht. Sie war in den Tempel gegangen, um Seine Dienerin zu werden. Sie hatte sich also geläutert und die größten Opfer gebracht, um würdig zu sein, einen so erhabenen und mächtigen Geist wie Christus in ihrem Schoße zu empfangen ... Genauso mußte auch Jesus bestimmte Etappen durchschreiten, bevor er Christus wurde ..... 

... Aber warum mußte er bis zu seinem 30. Lebensjahr warten, um den Heiligen Geist zu empfangen und Wunder zu vollbringen? Selbst wenn Gott persönlich auf sich auf Erden verkörpern würde, würde Er Seine eigenen Gesetze akzeptieren und sie befolgen. Er, der Herr, respektiert Sich selbst, versteht ihr?

Maria und Joseph waren rein. Sie hatten sich schon lange in früheren Inkarnationen auf das Kommen Jesu vorbereitet, um seiner würdig zu sein. Ist Jesus vom Heiligen Geist geboren? Ja, es war der Heilige Geist auf der himmlischen Ebene, aber im körperlichen Bereich mußte auch etwas geschehen, er mußte auch auf dieser Ebene durch etwas oder jemanden widergespiegelt werden. Der Heilige Geist brauchte auch auf diesem Niveau einen Mittler, damit auf physischer, spiritueller und geistiger Ebene alles heilig, lichtvoll und rein war und eine völlige Übereinstimmung der drei Welten erreicht wurde. ... Deshalb brauchte der Heilige Geist eine reine Frau, um sich in ihrem Schoß einen Körper zu bilden.

Ist Jesus durch das Eingreifen des Heiligen Geistes geboren worden? Ja, gewiß: insofern, als seine Zeugung von keinerlei Begierde, Leidenschaft oder Sinnlichkeit befleckt wurde, kann man sagen, daß er durch das Wirken des Heiligen Geistes geboren wurde. Auf dieser Ebene ist die Jungfräulichkeit Mariens zu verstehen. Die Keuschheit ist eher eine spirituelle denn eine physische Eigenschaft. ...

Das Jesuskind brauch einen Vater und eine Mutter, um geboren zu werden. Joseph, der Vater, stellt den Intellekt, den Geist des Mannes, und Maria, die Mutter, das Herz, die Seele dar. Wenn Herz und Seele geläutert sind, dann wird das Kind geboren. Aber es wird nicht von Intellekt und Geist, sondern von der Universalseele geboren, die nichts anderes ist als der Heilige Geist in Form von Feuer, von göttlicher Liebe ...
Eine reine Flamme, die das Herz und die Seele des menschlichen Wesens befruchtet. Herz und Seele verkörpern das weibliche, empfängliche Prinzip. Intellekt und Geist dagegen stellen das männliche Prinzip dar, das dem Heiligen Geist - d. h. der Universalseele, die Feuer ist, die Möglichkeit bietet, von der Seele Marias Besitz zu ergreifen. Dann wird das Christuskind geboren. Aber da die Geburt auf allen drei Ebenen stattfinden soll, muß das Kind auch auf physischer Ebene auf die Welt kommen. ...

Als Maria und Joseph in einer Herberge Unterkunft suchten, fanden sie keinen Platz. Mit anderen Worten: Menschen, die nur für Essen, Trinken und Vergnügungen leben, haben für den Eingeweihten, der das Kind empfing, keinen Platz. Das göttliche Kind, das er bereits als Licht in sich trägt, kann ein Ideal oder eine Idee sein, die er nährt und innig liebt. Aber nun, wohin mit diesem Kind? Niemand öffnet ihm die Türe, d. h. niemand versteht ihn. 

Zum Glück gab es eine Stall. Der Stall mit der Krippe ist ein Symbol, das zunächst auf die Armut und die äußeren Schwierigkeiten hinweist. Ja, so wird es für den Menschen, in dem der Geist wohnt, immer sein: von der Menschheit wird er weder geschätzt noch aufgenommen werden. Aber andere werden das Licht, das er über die Krippe hinaus ausstrahlt, von weither sehen und ihn aufsuchen. 

Das durch den fünfzackigen Stern dargestellte Licht ist eine absolute Realität. Es leuchtet über dem Haupt aller Eingeweihten, deren weibliches Prinzip - Seele und Herz - das vom Heiligen Geist gezeugte Christkind zur Welt gebracht hat. ...

... Ihr müßt verstehen, dass Maria und Joseph Symbole des Innenlebens sind. Wer Maria verbannt, dörrt aus und ist ein bloßer Intellekt, der alles zersetzt, bemängelt, immer unzufrieden ist.

... Was bedeutet nun der Stern? 

Er zeugt von einem Phänomen, das sich unvermeidlich im Leben eines wahren Mystikers, eines wahren Eingeweihten ereignet. Über seinem Haupt erscheint ein Stern, ein leuchtendes Pentagramm. Das, was oben ist, ist wie das, was unten ist und das, was unten ist, ist wie das, was oben ist, und deshalb muß auch das Pentagramm oben und unten existieren. Zum einen ist der Mensch selbst ein lebendes Pentagramm, und wenn er die fünf Tugenden: Güte, Gerechtigkeit, Liebe, Weisheit und Wahrheit vollkommen entwickelt hat, bildet er oben, im subtilen Bereich, ebenfalls ein Pentagramm, der als Licht erscheint.

Dieses Licht - der Stern, der über dem Stall leuchtete - bedeutet, daß jeder Eingeweihte, der den lebendigen Christus in sich trägt, ein Licht ausstrahlt, ein beruhigendes, nährendes, tröstendes, heilendes, läuterndes und belebendes Licht ...

Eines Tages erblicken andere diese leuchtende Kraft von weitem und spüren, daß etwas Besonderes von diesem Wesen ausgeht. Und gerade diese Ausstrahlung ist Christus. Jetzt kommen alle zu ihm; Regenten und Obrigkeiten, alle Mächtigen und Reichen. Selbst die hohen geistlichen Oberhäupter, die sich am Gipfel angekommen glaubten, spüren, daß ihnen etwas fehlt, daß sie diesen Grad der Spiritualität noch nicht erreicht haben und kommen, um zu lernen, fallen auf die Knie und bringen Geschenke.
Damit ist auch die Anwesenheit der drei Weisen Kaspar, Melchior und Balthasar an der Krippe des Jesuskindes erklärt. Alle drei waren in ihrem Land geistliche Oberhäupter bedeutender Religionen. Warum sind sie gekommen? Weil sie das Licht wahrgenommen hatten, denn sie waren auch Astrologen und hatten bestimmte außergewöhnliche planetarische Konjunktionen beobachtete, aus denen sie folgerten, daß etwas Besonderes auf der Erde geschehen würde. Jesu Geburt entspricht also auch einem astronomischen Phänomen, das sich vor 2000 Jahren am Himmel ereignete.

Die heiligen drei Könige brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe. Jede Gabe war ein Symbol. Das Gold besagte, daß Jesus ein König war. Gold ist die Farbe der Weisheit, seine Leuchtkraft glänzt wie eine Lichtkrone über dem Haupt es Eingeweihten. Der Weihrauch bedeutete, daß Jesus Priester war: er stellt den religiösen Bereich dar, also auch Herz und Liebe. Myrrhe ist ein Symbol der Unsterblichkeit: man benutzte sie zum Einbalsamieren, um den Körper vor dem Zerfall zu schützen. Die Geschenke der drei Weisen bezogen sich also auf die drei Bereiche: Gedanken, Gefühle und physischer Körper.

Außerdem ist jede Gabe mir einer Sphira verbunden: Myrrhe mit Binah, dem Reich der Beständigkeit; Gold mit Tipheret, dem Licht und Weihrauch mit Hesed, der Religion.

Beschäftigen wir uns jetzt mit dem Stall. In ihm gab es nur einen Ochsen und einen Esel. Warum? Seit Jahrhunderten zitiert man diese Geschichte ohne sie zu verstehen, denn die Menschen haben den Sinn der universalen Sprache verloren. Der Stall stellt den physischen Körper dar. Und der Ochse? Bekanntlich galt der Ochse, der Stier, in der Antike immer als Prinzip der Fortpflanzung. In Ägypten z. B. war der Apis-Stier das Symbol für Fruchtbarkeit und Ertragsfähigkeit. Der Stier steht unter dem Einfluß der Venus und stellt Sexualkraft dar. Der Esel wird von Saturn beeinflußt und symbolisiert die Persönlichkeit. Mit anderen Worten die niedere Natur des Menschen, die auch der "alte Adam" genannt wird: dickköpfig, stur, aber dienstbereit. Diese beiden Tiere sollten also Jesus dienen. Aber wie? 

Ich will euch jetzt ein großes Mysterium enthüllen:

Wenn der Mensch beginnt, an seiner Vervollkommnung zu arbeiten, gerät er mit den Kräften seiner Persönlichkeit und seiner Sinnlichkeit in Konflikt. ein Eingeweihter zeichnet sich gerade dadurch aus, daß er diese beiden Kraftströme unter Kontrolle gebracht hat und sich ihrer bedient. Ihr seht also, daß er diese Energien nicht ausschaltete, denn es ist keine Rede davon, daß die beiden Tiere verjagt oder getötet wurden. Sie waren anwesend. Aber was taten sie? Sie wärmten das Jesuskind mit ihrem Atem ... Wenn es also einem Eingeweihten gelingt, Stier und Esel in seinem Innern z wandeln, und sie in seine Dienste z stellen, dann wärmen und nähren sie das neugeborene Kind mit ihrem Atem. Diese Kräfte belästigen, verwirren und quälen ihn dann nicht länger, sondern werden zu belebenden Energien. Der Atem ist bereits das Leben. ...

... Esel und Ochse dienten dem Jesuskind, was bedeutet, daß Persönlichkeit und Sinnlichkeit dem dienen, in dem Christus wohnt, denn sie sind außergewöhnlich nützliche Kräfte, wenn sie zu einer Arbeit eingespannt werden können.

... Die Hirten waren mit ihren Herden auf dem Felde, und als der Engel ihnen die Nachricht von der Geburt Jesu brachte, waren sie sehr verwundert; sie nahmen Lämmer und brachten sie ihm als Gabe dar. Das bedeutet, daß alle am physischen Körper Beteiligten benachrichtig werden, also alle verkörperten oder nicht verkörperten Geister der Familie, die Schätze besitzen (der Reichtum wird hier durch Schafe, Lämmer und Hunde symbolisiert). Sie werden benachrichtig, weil sie am Aufbau des Stalls - des physischen Körpers - mitgewirkt haben. Nun kommen sie alle herbei und rufen: "Oh, wir hätten nie gedacht, daß unserem Stall eine solche Ehre zukäme!"

Folglich wird allen Familiengeistern, sowohl im Jenseits als auch auf Erden, die Nachricht zuteil, daß sich ein wunderbares Geschehen in eurem Herzen und eurer Seele ereignet hat; dann kommen auch sie herbei, fallen auf die Knie und bringen Geschenke. Ja, alle wollen dem Kinde dienen. 

... Laßt uns jetzt auf das Symbol der Krippe eingehen. ... In den Evangelien wurde alles verschlüsselt und es gibt nur wenige, die in der Geschichte von der Geburt Jesu in der Krippe einen tieferen Sinn vermuten.

Wenn ihr euch an meine Vorträge über das Harazentrum erinnert, wißt ihr, wo diese Krippe sich in unserem Körper befindet. Ich erklärte euch, welche Rolle dieses Zentrum im Leben eines Eingeweihten spielen kann, wenn er damit zu arbeiten weiß. Obgleich der Name Hara, Bauch, darauf hinweist, daß dieses Zentrum besonders den Japanern ein Begriff ist, war es in Wirklichkeit allen Eingeweihten der Vergangenheit bekannt. Gerade dieses Zentrum meinte Jesus, als er sagte: "Aus seinem Schoß entspringen Ströme lebenden Wassers ...". Dieser "Schoß" ist das Zentrum "Hara", dort befindet sich die Krippe, in der Christus zwischen Ochse und Esel geboren werden soll, das heißt, zwischen Leber und Milz.

Ich sehe euer Erstaunen. Ihr dachtet, daß Jesus in eurem Kopf geboren wird. Habt ihr schon einmal eine Mutter gesehen, die ihr Kind durch den Kopf zur Welt bringt? ... Bauch und Eingeweide findet man eher abstoßend, aber gerade diese Körpergegend hat der Herr für das Fortbestehen der Menschheit gewählt. Gerade dort, in diesem Zentrum soll auch im Schüler das neue Bewußtsein, das Christkind, geboren werden.

Nichts ist wichtiger, als für die Geburt des göttlichen Kindes in uns zu arbeiten. Dann werden Erde und Himmel singen, in aller Herren Länder werden Wesen verstehen, daß ein neues Licht geboren ist und werden kommen und euch beschenken. ...

Omraam Mikhael Aivanhov: Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre
Prosveta Verlag 1993, 1. Kapitel

Weihnachten - die geweihte Nacht im Christentum

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