Die

höchste Art der Liebe

 

 

Der Herr ist Liebe, Liebe ist seine Form.

Alle Wesen sind Liebe, Liebe rettet und dient.

Durch Liebe allein wird Gott sichtbar.

Die Liebe offenbart ihn in allem.

 


Liebe bindet einen Menschen an den anderen; Liebe verknüpft ein Ding mit dem anderen. Ohne Liebe wäre das Universum nicht. Die höchste Art der Liebe läßt uns den Herrn in allen Wesen sehen. Der Herr ist in gleichem Maße in allen gegenwärtig. Leben ist Liebe; Liebe ist Leben. Ohne Gott kann nichts und niemand existieren. Ihr lebt durch den Willen Gottes; sein Wille wirkt als Liebe in jedem von euch. Er regte das Gebet an: „Möge die ganze Welt glücklich sein", denn er macht euch bewußt, daß der Gott, den ihr verehrt, den ihr liebt, nach dem ihr euer Leben ausrichtet, in allen Wesen als Liebe existiert. So dehnt sich die Liebe aus und schließt die ganze Schöpfung ein.

Bei näherer Betrachtung werdet ihr entdecken, daß das Leben selbst Liebe ist. Es ist ein und dasselbe. Liebe liegt in der Natur des Lebens, ebenso wie Brennen in der Natur des Feuers liegt, Nässe in der des Wassers oder Süße in der des Zuckers. Ihr bemüht euch um eine Pflanze nur, solange ihre Blätter grün sind; wenn sie vertrocknet und leblos geworden ist, mögt ihr sie nicht mehr. Liebe besteht, bis das Leben vergeht. Die Mutter wird geliebt, solange sie lebt. Wenn sie gestorben ist, begrabt ihr sie ohne die geringsten Gewissensbisse.

Liebe ist an Leben gebunden.

Aus diesem Grund weitet Liebe sich aus und zieht immer weitere Kreise. Eine Person, die keine Liebe zu geben hat, ist so gut wie tot.

Liebe ist die Frucht des Lebens. Eine Frucht hat drei Komponenten: Die Schale, das saftige Fruchtfleisch und den Kern. Um etwas von der Frucht zu haben, muß man erst die Schale entfernen. Die Schale ist der Egoismus, das Ichgefühl, welches ausschließt, begrenzt und individualisiert. Der Kern ist die Selbstsucht, das Gefühl von „mein", welches besitzhungrig, habgierig und von Wünschen getrieben wird. Auch der Kern muß also entfernt werden. Was übrig bleibt, ist das Fruchtfleisch, der süße Saft, der in den Upanishaden als höchste Liebe, strahlendstes Licht, Nektar der Unsterblichkeit und als das göttliche Absolute beschrieben wird. Jedermann hat ein Anrecht auf diesen Nektar göttlicher Liebe und darf daran teilhaben. Niemand ist aufgrund von Rasse, Gesellschaftsschicht, Religion oder Herkunft davon ausgeschlossen. Die einzige Vorbedingung ist, daß Schale und Kern entfernt werden.

Wer das Prinzip der Liebe kennt und in seinem Leben verwirklicht, ist frei von Furcht und Sorgen. Stellt euch vor, ihr besucht einen Freund in der Stadt und plant, zehn Tage bei ihm zu bleiben. Ihr habt einiges Geld mitgebracht, aber habt Angst, es mit euch herumzutragen. Ihr gebt dem Freund euren Geldbeutel, mit der Bitte, ihn sicher aufzubewahren. Nun könnt ihr euch unbeschwert alles in der Stadt ansehen. Ihr könnt sogar ohne Angst, bestohlen zu werden, durch die Menschenmenge auf dem Markt gehen. Mit dem Geldbeutel ist hier die Liebe gemeint. Gebt Gott eure Liebe! Er wird euch von allen Ängsten und Sorgen befreien.

Ihr müßt eure Liebe zu Gott durch das Rezitieren der Namen des Herrn, durch Meditation und durch selbstloses Dienen vertiefen.

 Dhruva z.B. wollte Gott durch Gebet und Einhalten einer strengen Disziplin dazu bewegen, ihm die Herrschaft über das Königreich zu übertragen. Als aber Gott schließlich in der Form von Vishnu vor ihm erschien, sagte er nur: „Herr, ich will das Königreich nicht haben, sondern einzig und allein dich." So beten viele zu Anfang um weltliches Glück, um materiellen Gewinn, aber wenn der Geist geläutert ist, bleibt nur noch der eine Wunsch - den Herrn zu schauen!

Gott ist dem Menschen näher als alles andere und sein treuester Freund. Eure Eltern mögen in einer anderen Stadt wohnen, aber Gott ist immer bei euch und in euch. Selbst wenn ihr ihn nicht liebt, wird er niemals von euch weichen. Die Veden sagen: „Er ist kleiner als ein Atom und größer als das ganze Universum, das er mit seiner Gnade füllt." Er ist in euch, ist in jeder Zelle. Durch reine, tief empfundene Liebe kann euch das bewußt werden.

Jesus war Mitgefühl und Erbarmen in menschlicher Form. Er verbreitete den Geist des Mitgefühls um sich und tröstete die Notleidenden. Als er sah, wie Vögel und Tiere im Tempel von Jerusalem gequält wurden, schalt er die Händler und jagte sie hinaus. Dadurch zog er sich den Zorn der Priester zu. Gute Taten sind immer eine Herausforderung für böse Menschen. Aber man sollte sich durch widrige Kräfte nicht abhalten lassen. Es macht Freude, sich Herausforderungen zu stellen. Verborgene Kraftquellen werden erschlossen, und Gottes Gnade unterstützt die eigenen Bemühungen. Freude ist die Atempause zwischen zwei leidvollen Erfahrungen. Man muß die Schwierigkeiten bekämpfen, um die Freude des Sieges kosten zu können. Jesus war schweren Angriffen ausgesetzt, die ihn jedoch nicht von seinem Weg abbringen konnten. Deshalb überflutet das strahlende Licht seines Namens, seiner Geschichte und seiner Botschaft heute die ganze Welt.

Nicht nur Jesus, sondern alle Propheten, Botschafter Gottes, Lehrer der Wahrheit und spirituellen Führer waren Hohn und Verachtung ausgesetzt und mußten Verfolgung erleiden. Doch auch wenn ein Diamant in den Staub geworfen wird, verliert er seinen Glanz nicht. Ein Kürbis, der am Stacheldrahtzaun wächst, verliert dadurch nicht seine leuchtende Farbe und den süßen Geschmack.

Auch ein Pfau, der im Hühnerstall ausgebrütet wurde, behält sein prächtiges Gefieder. So kann auch das Göttliche, obwohl es in allem gegenwärtig ist, niemals von irgend etwas berührt oder verändert werden. Eifersüchtige Leute haben Jesus mit Beschimpfungen überhäuft. Selbst einige seiner Jünger haben ihn verlassen und verraten. Selbstsüchtige Leute werden angesichts eines großen und guten Menschen eifersüchtig. Aber die Liebe Jesu war vollkommen selbstlos, und deshalb war er furchtlos. Die Lieblosen haben immer Angst. Liebe fördert Mut und Unternehmungsgeist; sie ist wagemutig. Wenn ihr dem Herrn folgt, könnt ihr dem Teufel ins Auge sehen, bis zum Ende kämpfen und das Spiel beenden.

Jesus war Liebe, und auch Sathya Sai ist Liebe. Das erklärt die große Anzahl von Christen aller Konfessionen, die hier versammelt sind. In Rom feiern die Katholiken heute die Geburt Christi, und die Protestanten tun das Gleiche in ihren Kirchen. Juden sind weder bei den einen noch bei den anderen willkommen.

Aber in der Gegenwart von Sathya Sai sind sie in gleichem Maße willkommen wie alle anderen. Die Juden haben Jesus angeklagt und forderten seine Bestrafung.

In meiner Gegenwart erweisen auch die Juden diesem Jesus ihre Verehrung. Die Liebe von Sathya Sai hat jene alten Erinnerungen transformiert und transzendiert. Seine Liebe ließ sie erkennen, daß es nur eine Kaste gibt - die Kaste der Menschheit, nur eine Religion - die Religion der Liebe. Alle Gläubigen müssen einander in Liebe verbunden sein. Sie müssen aber auch die Ungläubigen in ihre Liebe einschließen, in jedem von ihnen Gott sehen und jedem dienen.

Liebe muß im Dienst am Nächsten ihren Ausdruck finden. Die Hungrigen müssen gespeist, die Kranken gepflegt, die Notleidenden getröstet werden.

Jesus hat sich in diesem Dienst aufgeopfert. Er hatte großes Mitleid mit den Armen. Ein mitfühlendes Herz ist der Tempel Gottes. Jesus predigte Nächstenliebe, das war seine Botschaft. Heute wird Jesus verehrt, aber seine Lehren werden vernachlässigt. Sai wird verehrt, aber auch seine Lehren werden nicht befolgt.

Überall Pomp, Gepränge, eitle Zurschaustellung! Und Reden, Reden, Reden! Große Worte und nichts dahinter. Keine Taten, keine Liebe, kein Dienen.

 

Übt euch in der Nächstenliebe.

Seid gut.

Lebt in Liebe.

Tut Gutes und seht nur das Gute in euren Mitmenschen.

Das ist der Weg zu Gott.

 

 

Weihnachten, 25.12.1981
Quellennachweis: Sathya Sai Baba spricht Bd. 11

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