Isha (Jesus)

Die Angehörigen jeder Religion rufen den einen allgegenwärtigen Gott an, der ihre Gebete hört, von welchem Teil der Welt sie auch kommen oder welche Sprache sie sprechen mögen. Derselbe Gott beschenkt die Menschheit mit Gesundheit, Wohlstand, innerem Frieden und Glück.

Keine Religion hat ihren gesonderten Gott, der nur ihre Gläubigen mit Seiner Gnade beschenkt.

Es ist die Bestimmung des Menschen, sich vom Menschsein zum Gottsein zu entwickeln, so wie er vom Tiersein zum Menschsein vorangeschritten ist. Auf dieser Pilgerfahrt muß er auf die verschiedensten Hindernisse und Versuchungen stoßen. Um des Menschen Pfad zu glätten und ihm zu helfen, diese Schwierigkeiten zu überwinden, erscheinen Weise, Seher, vollendete Seelen, göttliche Persönlichkeiten und Gottesinkarnationen unter den Menschen und erleuchten den Pfad. Sie wandeln unter den Leidenden, den Suchern, die vom Pfad abgewichen sind oder sich in die Wüste verirrt haben. Sie stärken ihr Vertrauen und ermutigen sie. Bestimmte Personen werden nur zu diesem Zweck geboren. Solche Führer und Vorbilder leben unter allen Völkern und in allen Ländern. Sie inspirieren den Glauben an höhere Ideale und sie lehren, als sei ihre Stimme die Stimme Gottes. Sie beraten mit dem Herzen.

Selbstverständlich gibt es viele Aspiranten, die durch ihre Gottesverehrung, ihre Hingabe und ihr diszipliniertes Leben die Vision des allgegenwärtigen, allmächtigen und allwissenden Einen erzielen. Sie sind mit der Seligkeit, die sie für sich selbst erlangt haben, zufrieden. Andere sehnen sich danach, ihre Glückseligkeit mit denen zu teilen, die noch jenseits der Grenze stehen. Sie weisen den Weg, führen und werden dadurch gesegnet.

Sie lehren, daß die Vielfältigkeit eine Täuschung und die Einheit die Wirklichkeit ist. Sie vermitteln, daß jeder in Wirklichkeit drei in einem ist, d. h. derjenige, der er selbst glaubt zu sein, derjenige, von dem die anderen glauben, der er sei, und derjenige, der er in Wirklichkeit ist.

Jesus war ein Meister, der geboren wurde mit der Mission die Liebe, Barmherzigkeit und das Mitgefühl im Menschenherzen wiederzubeleben. Er hatte keine Bindung an das Ego; er beachtete niemals Kummer und Schmerz, Freude oder Vorteil; er hatte ein Herz, das den Schrei aus Seelenqual und Herzensangst, den Ruf nach Frieden und Brüderlichkeit beantwortete. Er wanderte im Land umher, predigte die Lehre der Liebe und verströmte sein Leben als ein Trankopfer für die Menschheit.

Wie die meisten Sucher, suchte auch er das Göttliche in der Natur. Aber er erkannte bald, daß die Natur ein kaleidoskopartiges Bild ist, das die eigene Imagination des Menschen erschuf, und er suchte Gott in sich selbst. Hierbei brachte ihm sein Aufenthalt in den Klöstern im Himalaya, in Kaschmir und in anderen Zentren östlichen Asketentums und philosophischer Erkenntnisse mehr Erfolg.

Nach seiner Rückkehr aus dem Osten wich er von der Einstellung, ein Bote Gottes zu sein, ab und erklärte, daß er der Sohn Gottes sei. Denn die alte Einstellung bedeutete Dualität, eine Herr-Diener-Beziehung, bei der man sich den Befehlen des Herren nicht entziehen konnte. Man mußte die Pflichten, die in den Heiligen Schriften niedergelegt waren, erfüllen. Das irritierte ihn zu sehr, und er hatte das Gefühl, daß er das Ebenbild Gottes und Gott als Original sei. Die Bindung zu Gott wurde immer enger. Das Ich befand sich nicht mehr in einem fernen Licht oder Wesen, das Licht wurde ein Teil des Ich. Überwiegt das Körperbewußtsein, so fühlt man sich als Diener oder Botschafter, überwiegt jedoch das Herzensbewußtsein, so spürt man Vertrautheit und Liebe. Darum ist in diesem Stadium die Vater-Sohn-Beziehung ganz natürlich. Später, als das Gottesbewußtsein gefestigt war, konnte Jesus erklären:"Ich und der Vater sind eins". Genauso wie man erklärt:"Ich war im Licht", dann:"Das Licht ist in mir" und letztlich:"Ich weiß, daß ich das Licht bin".

Jesus konnte behaupten, daß sein Leben seine Botschaft sei, denn er lebte unter den Menschen so, wie er ihnen riet, zu leben.

Der Mensch muß seine spirituelle Pilgerreise mit der Erklärung beginnen, ein Diener oder Botschafter Gottes zu sein und versuchen, diesem hohen und verantwortungsvollen Status gemäß zu leben. Das ist das Stadium der Dualität. Dann entdeckt er Gott in sich selbst und er erkennt, daß Gott sein kostbares Erbe ist, das er zu beanspruchen und zu nutzen hat. Das ist das Stadium des bedingten Non-Dualismus (vishishtadvaita), das Stadium, in dem man fühlt, daß man Gottes Kind ist und so beschaffen wie er. Schließlich und endlich geht man im Gottesbewußtsein auf und die Salzpuppe hat sich im Meer aufgelöst. Dieses ist der Kern, die Essenz aller religiösen Disziplinen und Lehren.

Christus war unter dem Namen Jesus bekannt, die Bevölkerung verehrte ihn als Christus, weil sie in seinen Gedanke, Taten und Worten keine Spur von Ego fand. In ihm war kein Haß oder Neid; er war erfüllt von Liebe und Barmherzigkeit, Demut und Mitgefühl.

Jesus war nicht der ursprüngliche Name, dieser war Isha, was mit umgestellten Buchstaben Sai heißt. Isha oder Sai bedeuten Isvara, Gott, das Ewig-Absolute, das Sat-Cit-Ananda. In dem tibetanischen Kloster, in dem Isha einige Jahre verbrachte, ist sein Name als Issa festgehalten. Der Name Issa bedeutet "der Herr aller Lebewesen".

Als Jesus erklärte, er sei der Botschafter Gottes, wollte er darauf hinweisen, daß jeder ein Botschafter Gottes ist und darum als solcher sprechen, handeln und denken muß. Die echte praktische Anleitung in den Heiligen indischen Schriften weist auf den Pfad der Arbeit und des liebevollen Dienens hin, auf das Wiederholen des Namens Gottes und auf die Meditation. Bei weiterem Fortschritt, erklärte Jesus, kann jeder alle als Söhne Gottes, als Gotteskinder, als seine Brüder und Schwestern erkennen, die somit der Verehrung wert sind. Schließlich reift das Wissen zur Weisheit, und das Ziel der Wahrheitssuche ist erreicht, wenn jeder erkennt:"Ich und der Vater sind eins".

Jesu Geburtstag muß von der ganzen Menschheit gefeiert werden, denn Menschen, die die Geburt zu einem bestimmten Zweck auf sich nehmen, gehören der ganzen Menschheit. Die Feiern sollten nicht auf ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Gemeinschaft beschränkt bleiben.

Jesus erkannte, daß die Schriftgelehrten und Pharisäer die wahre Religion vernebelten. Er engagierte sich, beides - Spiritualität und Moral - zu lehren, denn Erziehung ist das wahre Lebenslicht. Jesus erkannte, daß die Menschen hinter Glasperlen herliefen, die sie für Edelsteine hielten und ihnen darum großen Wert beimaßen. Er besuchte die heiligen Stätten und fand, daß sie Basare geworden waren, in denen um die Gnade gefeilscht und mit ihr gehandelt wurde. Er verurteilte die Priesterschaft, die diese Praktiken tolerierte und ermutigte. Damit zog er sich den Zorn der Oberhäupter der Tempel und Klöster zu. Sie brachten einen seiner Jünger mit 30 Silberlingen dazu, Jesus zu verraten, so daß sie ihn ergreifen und in ihre Gewalt bringen konnten.

Den römischen Herrschern wurde gesagt, Jesus habe versucht, sich als König auszugeben; so konnte er wegen Hochverrats angeklagt und bestraft werden. Auf ihr Betreiben ordnete der Gouverneur seine Kreuzigung an. Als Jesus ans Kreuz genagelt wurde, hörte er die Stimme des Vaters:"Alles Leben ist eine Einheit. Mein lieber Sohn! Behandle jeden gleich!" Und Jesus bat um Vergebung für die, die ihn kreuzigten denn "Sie wissen nicht was sie tun!" Jesus opferte sich für die Menschheit.

Weihnachtslieder und Kerzen, Lesungen aus der Bibel und das Krippenspiel genügen nicht, um die Geburt Jesu zu feiern. Jesus sagte, daß das Brot, das er beim letzten Abendmahl brach, sein Fleisch sei und der Wein sein Blut. Er drückte damit aus, daß man keinen Unterschied zwischen Freund und Feind, zwischen sich selbst und den anderen machen und alle Lebewesen aus Fleisch und Blut wie sich selber behandeln sollte. Jeder Körper ist sein Körper, erhalten durch das Brot; jeder Tropfen Blut, der in den Adern eines jeden Lebewesens fließt, ist Sein, belebt durch die Wirkung des Weines. Das heißt, daß jeder Mensch göttlich ist und als solcher geachtet werden muß.

Ihr arbeitet als Botschafter oder Diener, später verehrt ihr als Sohn den Vater, und schließlich erlangt ihr die Weisheit, daß ihr und Er EINS seid. Das ist die spirituelle Reise, und Jesus hat den Weg mit klaren Worten gezeigt. Er verkündetet sehr früh im Leben, daß er gekommen sei, um den spirituellen Pfad zu erleuchten. Schon als Knospe verströmte er Duft. In ihm war das Licht - denn wie könnte ein winziges Glühwürmchen eine Lampe anzünden?

Um die Menschen zu erhöhen, um ihre Bewußtseinsebene zu heben, muß der Herr sich als Mensch inkarnieren. Er muß zu ihnen in ihrem eigenen Stil und in ihrer eigenen Sprache sprechen. Er muß sie die Methoden lehren, die sie annehmen und ausüben können. Vögel und andere Tiere brauchen keine göttliche Inkarnation die sie leitet, denn sie haben keine Neigung, von ihrem Pfad der Gesetzmäßigkeit abzuweichen.

Nur der Mensch vergißt oder ignoriert das Lebensziel.

Sathya Sai Baba
Ansprache Weihnachten 1978
Quelle: Der Avatar unserer Zeit

 

Weihnachten, die geweihte Nacht im Christentum

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