Auszüge aus Sathya Sai Babas Mahavakya über

Führung

 

geschrieben von Manohar L. Chibber

 

 

 


Ich will, daß ihr Führungspersönlichkeiten werdet,
die die Welt beschützen,

Führungspersönlichkeiten wie Löwen -
Selbstsicher, mutig, majestätisch und gerecht.

Der Löwe ist der König des Tierreiches,
und ich will, daß ihr König unter den Menschen werdet.

Sathya Sai Baba
Eröffnungsansprache an die Studenten in der Sai Universität, Sommerkurs 1992

 

 

 

Liebe und Führung

 

"Die Ehre einer Gemeinschaft basiert auf der Moral;
Ohne Moral zerfällt eine Gemeinschaft;
Nur eine moralische Gemeinschaft verdient ihren Namen;

Merke dir das: oh heldenhafter Sohn Barats."

 

Die Persönlichkeit eines Menschen blüht auf, wenn er sich der Moral verpflichtet hat. Nur derjenige kann ein wirklicher Mensch genannt werden, welcher in sich die Göttlichkeit offenbart. Ein Mensch wird nicht schon dadurch zum Menschen, daß er eine menschliche Form besitzt. Die Form ist nicht wichtig. Nur die Lebensführung zählt. Die Lebensführung ist von höchster Wichtigkeit.

Es ist nicht leicht für alle und jeden, seine inhärente Göttlichkeit zu offenbaren. Denn nur diejenigen, die sich in Selbstdisziplin geübt haben und ein gutes Leben führen, haben die Fähigkeit, ihre wahre Persönlichkeit zu manifestieren. Menschen, die sich einer strengen Disziplin unterworfen und die Kraft des Unterscheidungsvermögens entwickelt haben - zu beurteilen was gut und was schlecht ist -, können durch ein beispielhaftes Leben ideale Führungskräfte werden. Sie müssen individuellen Charakter und soziale Tugendhaftigkeit besitzen. Um das zu erreichen, müssen sie nach Reinheit in Gedanken, Worten und Taten streben.

Liebe (Prema) ist ein anderes Wort für Rechtes Handeln (Dharma). Sie wird auch Priyam genannt, das, was erfreut. Der Wert der Liebe liegt jenseits des beschreibbaren Lobes. Liebe ist völlig frei von Selbstsucht. Sie kennt keinen Unterschied von "mein" und "anderen". Nur jemand, der von einer solchen Liebe erfüllt ist, kann die Gesellschaft, die Nation und die Welt lieben. Seine Liebe erstreckt sich auf die ganze Gesellschaft, über sich und seine Familie hinaus. Er muß das Wohlergehen der Gesellschaft, des Volkes und der ganzen Welt im Auge behalten. Dieses sind die Kennzeichen einer wahren Führungspersönlichkeit.

Diejenigen, welche Industrien und Reichtum ansammeln, sollten sich nicht damit zufrieden geben. Sie müssen den Geist der Opferbereitschaft haben. Menschen die anderen Ratschläge geben, welche sie selber nicht leben, sind Heuchler. Es ist ein Hohn der Sprache, wenn solche Leute "Führungskräfte" genannt werden. Gebt die Selbstsucht auf. Habt immer das Wohl der Nation vor Augen. Entwickelt Charakter und Tugendhaftigkeit. Wenn jemand beispielhaft an Tugenden festhält, Gott liebt und die Sünde fürchtet, ist er fähig, die Moral der ganzen Gesellschaft anzuheben.

Sathya Sai Baba, Dezember 1993
Nachwort von Sai Babas Mahavakya über Führung

 

 

Was ist Charakter ?

Der Charakter ist der wichtigste Faktor einer wirkungsvollen Führungskraft.
Allerdings müssen wir einen Menschen mit Charakter klar und deutlich beschreiben, um ein gut definiertes, auf geschichtlicher Erfahrung basierendes Modell zu erhalten.

Zwei solcher Beschreibungen sollten die nötige Klarheit schaffen. Die erste stammt von einer westlichen Journalistin, die ein tiefes Verständnis für Menschen und Dinge hat, sowohl im Westen wie auch in Indien. Sie verbrachte viele Jahre in Indien und zeigte großes Interesse für die indische Kultur. Sie beschreibt einen Charaktermenschen (im wahrsten Sinne des Wortes einen Gentleman oder eine Lady) wie folgt:

"Ein ehrlicher Mensch;
ein Mensch mit einem Bewußtsein für die Pflicht und die Verantwortung seiner Position;
ein Mensch, der die Wahrheit sagt;
ein Mensch, der anderen das ihnen Zustehende gibt;
ein Mensch voller Rücksicht den Schwachen gegenüber;
ein Mensch mit Grundsätzen, zu denen er steht;
ein Mensch, den Glück nicht zu überschwänglich macht und den Schicksalsschläge nicht zu sehr bedrücken;
ein Mensch, der treu ist;
ein Mensch, dem man vertrauen kann."

Offensichtlich lebt ein Mensch mit Charakter die menschlichen Werte.

Die zweite Beschreibung stammt von einem fronterfahrenen und hochgeschätzten Führer; General Mathew B. Ridgeway von der US-Armee. Als Veteran des Zweiten Weltkrieges und als hoch dekorierter Offizier wurde er zum Oberkommandierenden der UN-Streitkräfte in Korea, ebenso wie zum Vorsitzenden des Ausschusses der Chefs der Generalstäbe der amerikanischen Streitkräfte befördert.

Er sagt:

" Charakter steht für Selbstdisziplin, Pflichtbewußtsein, die Bereitschaft, Verantwortung auf sich zu nehmen und die Bereitschaft, Fehler einzugestehen. Er steht für Selbstlosigkeit, Bescheidenheit, Demut, die Bereitschaft Opfer zu bringen wenn es notwendig ist, und, meiner Meinung nach, für den Glauben an Gott. Lassen Sie es mich näher erklären.

Während einer kritischen Phase bei der Schlacht von Bulge, als ich Befehlshaber der 18. Luftlandetruppe war, meinte der Befehlshaber eines anderen Korps, das gerade neben mir in den Kampf eingriff, zu mir: 'Ich bin froh, Sie an meiner Flanke zu haben. Auf den Charakter kommt es nämlich an.' Ich kannte diesen Kommandanten schon seit langem und wußte, was er meinte. So sagte ich: 'Mir geht es genauso.' Es gab keine weiteren Ausführungen, sie waren nicht notwendig. Jeder wußte, daß der andere standhaft bleiben würde, wie groß der Druck auch sein mochte; daß er Hilfe anbieten würde, bevor man ihn darum bat, falls es in seiner Macht stand; und daß er die Wahrheit sprechen würde, keinen Ruhm für sich allein erstrebte und für immer sein Wort halten würde. So etwas erzeugt Vertrauen und Erfolg."

Einmal mehr wird deutlich, daß ein Mensch mit Charakter die menschlichen Werte lebt, und daß seine Gedanken, Worte und Taten in Harmonie sind.

 

Ratschläge über Führung vor 5000 Jahren

Die erste Aufzeichnung über gute Führungsqualitäten ist mehr als 5000 Jahre alt. Wenn wir diese sorgfältig lesen, erkennen wir, daß sie ebenso gut für unsere heutige Welt geschrieben sein könnte. ...

Im Epos Mahabarata wird erzählt, daß vor 3000 Jahren v. Chr. in Indien auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra eine grausame Schlacht wütete. Es war ein blutiger Konflikt zwischen Vettern, den Pandavas und den Kauravas. Der Kampf endete mit einem vollständigen Sieg der Pandavas. In dieser Schlacht, welche vierzehn Tage lang dauerte, war Bhishma der Oberkommandierende der Kauravas. Dieser große alte Mann - zur Zeit der Schlacht war er bereits 116 Jahre alt - wurde von der herrschenden Elite beider Kriegsparteien geliebt, respektiert und verehrt; dermaßen hoch war das Ansehen dieses großen Führers. In der Schlacht wurde er ernsthaft verwundet und nach der Niederlage lag er sterbend auf dem Schlachtfeld. Sein Körper war von hunderten von Pfeilen durchbohrt.

Krishna, der göttliche Führer und strategische Ratgeber der Pandavas forderte diese auf, Bhishma ihre Ehrerbietung zu erweisen. Krishna sprach lange zu ihm und lobte seine große Tapferkeit und Opferbereitschaft. Schließlich bat er Bhishma um eine Belehrung für Yudhishthira, den ältesten der Pandavas. Da dieser nun ein großes Königreich in der Schlacht gewonnen habe, sollte ihn Bhishma die Regierungskunst, die Kunst der Führung lehren.

Mit leiser aber fester Stimme sprach der große alte Bhishma folgendes:

Du willst die Führungs-Kunst erlernen, damit du dein Königreich gut regieren kannst. Ich werde dir alles erzählen, mein Kind. Große Meister haben mich gelehrt und ich will dir all dieses Wissen weitergeben.

Nachdem er alles gesagt hatte, was zu sagen war, lächelte Bhishma schwach und schloß die Augen - ein Zeichen für die Pandavas, zu gehen.




Wahres Selbstinteresse lehrt Selbstlosigkeit.
Himmel und Erde bestehen, weil sie nicht eigennützig sind,
sondern der gesamten Schöpfung dienen.
Die kluge Führungskraft weiß um diese Tatsache;
sie hält ihre Ichbezogenheit in Schranken und handelt auf diese Weise um so wirksamer.
Erleuchtetes Führen bedeutet Hingabe, niemals Eigennutz.
Die Arbeit einer Führungskraft erstarkt,
indem sie die Führung der anderen über ihr eigenes Wohlergehen stellt.

Lao-Tse vor rd. 2000 Jahren

 


 

Mehr Informationen über Führung und über den Weg, eine Führungspersönlichkeit im Sinne der göttlichen Ordnung zu werden, finden wir in folgendem Buch:

Sai Babas Mahavakya über Führung
Ein Buch für die Jugend, Eltern und Lehrer
M. L. Chibber
ISBN: 3-924739-90-0

 

 

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