Das Meditieren über das Licht einer Flamme
muß so verstanden werden:

 

 

Zuerst fühlt, daß das Licht auf euch fällt,

dann geht weiter zu der Erkenntnis, daß das Licht in euch ist,

und erkennt später,

daß ihr selbst das Licht seid,

nicht mehr und nicht weniger.

(Sadhana, S. 106/7)

 

Es ist von großer Bedeutung,
wann ihr meditiert.

Die beste Zeit ist zwischen drei und sechs Uhr morgens. In dieser Zeitspanne (brahmamuhûrta) müßt ihr jeden Tag zur gleichen Stunde über die Form meditieren, für die ihr euch entschieden habt. Dabei sind bestimmte Regeln zu beachten. Glaubt nicht, daß diese überflüssig sind und ihr sie vernachlässigen könnt. Hier ist ein Beispiel dafür: Nehmen wir an, wir pflanzen einen Obstbaum. Wir wollen den jungen Baum beschützen und umgeben ihn mit einem Zaun. Warum tun wir das? Damit die Ziegen, Schafe und anderen Tiere ihn nicht kahl fressen. Wir wollen ein gutes Wachstum sichern, und deshalb beschützen wir ihn.

Wenn aus der zarten Pflanze aber ein großer Baum geworden ist, entfernen wir den Zaun. Und was ist der Grund dafür? Damit gerade diese Tiere wie Ziegen, Schafe, Kühe usw., welche die junge Pflanze zerstört hätten, jetzt Schutz und Schatten unter dem großen Baum finden können. Die Meditation, die in der Endphase Erlösung (moksha) vermittelt, muß am Anfang als eine zarte Pflanze betrachtet werden. Dafür ist ein Zaun, den wir Disziplin nennen wollen, unbedingt erforderlich.

 

Bei der Meditation
spielen auch der Ort und die Zeit eine Rolle.

Der Ort kann wechseln. Heute seid ihr in Brindâvan, morgen vielleicht in Bangalore oder Madras. Für den Körper, der sich von Ort zu Ort fortbewegt, könnt ihr keinen bestimmten Platz festlegen, den ihr zur Meditation aufsucht. Wenn aber der Ort sich auch ändert, so müßt ihr doch darauf achten, daß die Uhrzeit immer die gleiche ist.

 

Der Vorgang der Lichtmeditation:

Nehmt euch am Anfang jeden Tag ein paar Minuten hierfür Zeit. Später, wenn ihr das Glücksgefühl des Friedens erlebt, werdet ihr gewiß mehr Zeit darauf verwenden. Nehmt die Stunden vor der Morgendämmerung. Sie sind vorzuziehen, weil der Körper durch den Schlaf erfrischt ist und die Ablenkungen des Tages noch nicht die Sinne ergriffen  und körperliche und geistige Energie verbraucht haben.

Nehmt eine Lampe mit einer hellen, kleinen, ruhig und gerade brennenden Flamme oder eine Kerze und stellt sie vor euch hin ... Sitzt im Lotussitz (padmasana) oder irgendeiner anderen bequemen Haltung vor der Flamme.

Blickt beständig auf die Flamme und versucht, während ihr eure Augen schließt, sie in euerem Innern, zwischen den Augenbrauen, zu fühlen. Laßt sie von dort in den Lotus eures Herzens hinabgleiten und den Weg dabei erleuchten. Wenn das Licht der Flamme das Herz in der Mitte der Brust betritt, stellt euch vor, daß sich die Blütenblätter der Lotosknospe Blatt für Blatt öffnen und dabei jeden Gedanken, jede Empfindung, jede Gefühlsregung und jeden Impuls mit dem Licht baden und die Dunkelheit darin vertreiben:

Es gibt jetzt keinen Platz mehr, wo sich die Dunkelheit verstecken könnte: Sie muß vor der Flamme fliehen.

Laßt das Licht breiter, größer und strahlender werden.

Es durchflutet nun eure Glieder. Sie können sich nicht mehr dunklen, gottlosen und verdächtigen Beschäftigungen hingeben.
Ihr seid euch bewußt, daß sie zu Werkzeugen des Lichtes, das heißt der Liebe, geworden sind.

Das Licht erreicht die Zunge ... Falschheit, Verleumdung, Prahlerei und Bosheit weichen von ihr.

Es erreicht die Augen und die Ohren. Alle dunklen Wünsche werden vernichtet durch das strahlende Licht der Weisheit und Tugend. Das Ohr nimmt nichts Unreines, nichts Giftiges mehr auf.

Laßt das Licht euren Kopf erfüllen: Alle sündhaften, verwerflichen Gedanken verschwinden, denn sie sind Bewohner der Finsternis.

Laßt das innere Licht in eurer Vorstellung mehr und mehr an Intensität gewinnen, und dann wird es sich auch intensivieren.

Laßt es um euch herum leuchten und euch in den Glanz der Liebe einhüllen; laßt es sich in immer weiter werdenden Kreisen um euch herum ausbreiten und eure Freunde und Verwandten, die Geliebten, Freunde, Gefährten umfangen - aber nicht nur diese, auch Fremde, Gegner, Rivalen, Feinde - alle Menschen auf der ganzen Welt, alle Lebewesen, die gesamte Schöpfung.

Tut das jeden Tag, ohne auszusetzen, solange ihr Freude daran findet. Tut es innig und systematisch. Dann wird es eines Tages so weit sein, daß ihr keinen Gefallen mehr an dunklen und üblen Gedanken findet, daß ihr kein Verlangen mehr nach üblen und finsteren Büchern und nach berauschenden Speisen und Getränken habt, daß ihr nicht mehr mit häßlichen, erniedrigenden Dingen umgehen, kein Leid mehr verursachen wollt, keine bösen Pläne mehr hegt. Ihr seid dann im Reich des Göttlichen, in einem Frieden jenseits aller Worte.

Übt diese Meditation regelmäßig jeden Tag. Zu den anderen Zeiten wiederholt den Namen Gottes und tragt immer Sorge dafür, daß ihr euch Seiner Macht, Barmherzigkeit und Freigebigkeit klar bewußt seid.

Sathya Sai Baba spricht Band 6, S. 171

 

 

Nehmt für die Meditation eine Haltung ein,
die weder ermüdend noch nachlässig ist

(Sadhana)

 

Es ist sehr wichtig, aufrecht zu sitzen.

Zwischen dem neunten und zwölften Brustwirbel liegt die Lebenskraft. Eine Verletzung an dieser Stelle führt zu Lähmungen. Wenn der Körper gerade gehalten wird, kann die Lebenskraft aufsteigen und dem Geist zu hoher Konzentrationsfähigkeit verhelfen. Außerdem bildet der vollkommen aufrechte Körper - ähnlich dem Blitzableiter, der auf dem Dach eines Gebäudes befestigt ist -, sozusagen einen Leiter, durch den die göttliche Kraft, die dich befähigt deine Aufgaben zu erfüllen und dein Ziel zu erreichen, in den Tempel deines Körpers gelangen kann.

Ein anderes Bild: Die göttliche Kraft ist immer gegenwärtig, so wie die Radiowellen. Aber um die Musik im Radio hören zu können, braucht man eine Antenne. Außerdem muß das Gerät richtig eingestellt sein, sonst hört man zwar Geräusche, aber keine Musik. Ebenso kann die allgegenwärtige göttliche Kraft in euch einfließen, wenn ihr gerade sitzt und richtig meditiert.

(Hislop, S. 142)

 


Frage:

Gibt es einen bestimmten Weg, auf dem wir die Flamme im Körper bewegen sollten?

Sai:

Die Flamme (jyotis) wird erst zum Herzen bewegt,
das man sich als Lotosblume vorstellt, deren Blütenblätter sich öffnen ...

... Von da bringt man es zu anderen Teilen des Körpers. Das muß nicht in einer bestimmten Reihenfolge geschehen. Wichtig ist nur, daß die Endstation der Kopf ist. Dort wird das Licht zur Krone, die den Kopf umgibt und bedeckt. Dann wird das Licht nach außen getragen - vom Einzelnen zum Universellen. Bewegt das Licht bis in die Herzen eurer Verwandten, Freunde, Feinde und zu den Bäumen, Tieren und Vögeln, bis die ganze Welt und alle ihre Formen darin eingetaucht sind, und ihr seht, daß es das selbe göttliche Licht ist, das überall und in jedem Wesen ebenso leuchtet wie in euch selbst.

Die Vorstellung, daß man das Licht ins All trägt, daß es universell ist besagt, daß das selbe göttliche Licht in jedem und allem gegenwärtig ist. Um diese Allgegenwart fest ins Bewußtsein einzuprägen, lassen wir das Licht, ausgehend vom eigenen Körper, sich außerhalb des Körpers ausbreiten.

Man sollte verstehen, daß das, was in tiefer Meditation geschieht, nicht das Denken an das Licht, sondern das Vergessen des Körpers ist. So macht der Meditierende die direkte Erfahrung, daß er selbst nicht der Körper ist. Wenn der Körper völlig vergessen wird, erreicht man den Zustand der Kontemplation. (Hingabe, geistige Versenkung)

Hislop, S. 138/9

 

 

Wenn ihr über die Kerze und die Flamme meditiert,

müßt ihr euch vorstellen,
daß das Licht sich über eure Eltern und Verwandten
und später über Freunde und sogar Feinde ausbreitet.
Ihr braucht dabei nicht an die menschlichen Beziehungen zu denken, die rein zufällig sind.

Bringt euch dazu zu sehen, daß das Licht das in euch ist, ausstrahlt,
alles einhüllt und Millionen von Kerzen in aller Welt entzündet.

Löst die Härte und Undurchlässigkeit eures Herzens auf,
welche das Licht in euch verdunkeln und ersticken.

Das ist die vornehmste und wichtigste Aufgabe eines Menschen, der die Wahrheit sucht.
Die Strahlen des göttlichen Lichts werden nur sichtbar,
wenn sie nicht durch die Bindung an die materielle Welt verdunkelt werden.

Wie kann euer wirkliches Selbst (âtman) leuchten, wenn ihr euch nur mit eurer materiellen Hülle identifiziert?

(Sadhana, S. 108/9)

 

Frage:

Swami, wie sollte die Meditation über das Licht (jyotis) zum Abschluß gebracht werden?

Sai:

Zuerst bist du im Licht, dann ist das Licht in dir, und schließlich bist du das Licht, und das Licht ist überall. Genieße es eine Weile. Dann bringe das Licht zurück in dein Herz und bewahre es dort den ganzen Tag. Die Form Gottes kann auch mit einbezogen werden: Krishna, Râma, Jesus, Sai - je nach deiner Wahl.
Die von dir gewählte Form Gottes kannst du immer mitten in der Flamme sehen, wohin du sie auch tragen magst, und dann ist Gott immer und überall bei dir.

(Hislop, S. 143)

 

Asato mâ sad gamaya;

tamaso mâ jyotir gamaya;

mrityor mâ amritam gamaya.

OM, shânti, shânti, shânti.

Vom Nichtsein
führe mich zum Sein!

Von der Dunkelheit
führe mich zum Licht!

 

 

Wenn ihr eure Meditation beendet habt,
steht nicht zu schnell auf.

Entspannt euch langsam und massiert die Gelenke ein bißchen,
wenn es notwendig ist.

Bleibt danach noch einen Augenblick sitzen,
ruft euch die inspirierende Erfahrung der Meditation
ins Gedächtnis zurück,
wiederholt „
OM, shânti, shânti, shânti"
und fühlt dabei den tiefen Frieden in euch.

(Sadhana, S. 113/4)

 

In Bezug auf die Lichtmeditation hat der Avatar des Kaliyuga, des Eisernen Zeitalters, erklärt, daß die Lichtmeditation die wertvollste und einzige Art der Meditation ist, die in diesem Kaliyuga erforderlich ist.

Viele verstehen die Lichtmeditation nicht oder ziehen nicht den vollen Nutzen daraus, weil sie sie nicht vollständig praktizieren. Die Lichtmeditation ist nicht die Körperhaltung oder das, was wir tun, während wir für kurze Zeit vor dem Licht/Altar usw. sitzen. Es wird oft gesagt, daß wahre Meditation eine Aktivität sei, die 24 Stunden dauert oder zumindest während der Stunden, die man wach ist. Bei der Lichtmeditation werden wir aufgefordert, das Licht in unsere Glieder, Augen, Ohren usw. zu bringen und es wird gelobt, daß die "Hände sich danach sehnen, Gutes zu tun", die "Ohren sich danach sehnen, Gutes zu hören", die "Augen sich danach sehnen, Gutes zu sehen" usf.

Wahre Lichtmeditation stellt also fest, daß wir nach Beendigung des Sitzens und, während wir im Laufe unserer Wachstunden agieren und reagieren, bestrebt sind, der Erklärung, die wir während unserer Meditation abgegeben haben, Kraft und Leben zu geben und uns also danach sehnen, Gutes zu hören, zu sehen, zu sprechen und zu tun!

Deshalb ist die Lichtmeditation als universale spirituelle Praxis für die Menschheit eine so kraftvolle Meditation.

Fragen & Antworten S. 8/9

 

Lichtmeditation -

Anleitung zum Ausdrucken

 


 

Der Avatar unserer Zeit